Quellenkritik

Was ist Quellenkritik?

Quellenkritik kommt aus der Geschichtswissenschaft. Es beschreibt grundstätzlich das kritische Herangehen an Quellen. Das bedeutet, das eine Quelle zuerst auf ihre Echtheit und ihre Intention geprüft wird, bevor sie als offizielle Quelle zugelassen wird.

Heutzutage bezieht sich Quellenkritik jedoch nicht mehr ausschließlich auf die Geschichtswissenschaft. In Zeiten des Internets und Fake News muss jede Quelle zuerst kritisch bewertet werden. Das Problem ist nämlich, dass das Internet sozusagen jedem erlaubt Informationen zu teilen. Dabei haben Menschen unterschiedliche Motivationen warum sie etwas ins Internet stellen. Und diese Motivationen gilt es herauszuarbeiten.

Quellenkritik soll somit helfen zu erkennen:

  • ob eine Quelle echt oder gefälscht ist
  • ob eine Quelle zuverlässlich ist oder nicht
  • was für eine Motivation der Quellenherstellung zugrunde lag

 

Wie wird Quellenkritik angewendet?

Gundsätzlich wird Quellenkritik in A) Äußere Quellenkritik und B) Innere Qullenkritik unterteilt.

A) Äußere Quellenkritk:

Die Äußere Quellenkritik beschäftigt sich mit dem Aussehen der Quelle und anderen Äußeren Umständen. Grundsätzlich untersucht die Äußere Quellenkritik die Echtheit der Quelle. Ernst Bernheim (in: Einleitung in die Geschichtswissenschaft) nennt hierbei vier Punkte die in der Äußeren Quellenkritik relevant sind:

„1. Entspricht die äußere Form der Quelle […] der Form, die den als echt bekannten sonstigen Quellen derselben Art zur Zeit und am Ort der angeblichen bzw. […] angenommenen Entstehung unserer Quelle eigen ist […]?
2. Entspricht der Inhalt der Quelle dem, was uns sonst aus sicher echten Quellen […] bekannt ist […]?
3. Entsprechen Form […] und Inhalt dem Charakter und ganzen Milieu der Entwicklung, innerhalb deren die Quelle angeblich steht […]?
4. Finden sich in oder an der Quelle Spuren künstlicher, fälschender Mache, wie etwa unglaubwürdige, seltsame Art der Auffindung und Übermittelung […]?“ (Quelle: Wikipedia)

Gehen wir das Ganze an einem praktischen Beispiel durch:

Unsere Quelle ist eine Urkunde aus dem Jahr 1500 und wir wollen herausfinden ob diese Urkunde echt oder gefälscht ist. Als erster schauen wir ob diese Urkunde ähnlich aussieht wie andere Urkunden um 1500. Hierbei dürfen wir uns natürlich nur an Urkunden orientieren, dessen Echtheit schon überprüft wurde. Sieht unsere Urkunde also aus wie andere echte Urkunden um 1500, ist das der erste Hinweis für dessen Echtheit.

Als nächstes wird geschaut, ob unsere Urkunde inhaltlich mit den bekannten Ereignissen um 1500 übereinstimmt. Nehmen wir an unsere Urkunde behandelt eine Schenkung, also Person A schenkt Person B etwas und dies wird schriftlich festgehalten. Schenkungsurkunden waren recht üblich, daher ist anzunehmen, dass unsere Urkunde echt sein könnte.

Der dritte Punkt stellt die Frage, ob unsere Urkunde inhaltlich und förmlich stimmig ist. Beispielsweise kann das Papier untersucht werden auf dem die Urkunde geschrieben wurde. Würde sich dabei herausstellen, dass das Papier erst um 1700 entstanden ist, dann wäre unsere Urkunde eine Fälschung. Es können aber auch gröbere Schnitzer, wie das Verwenden eines falschen Siegels, sein, welche eine Quelle als „Fake“ entlarven.

Zu Guter Letzt wird die Frage in den Raum gestellt, ob an unserer Urkunde etwas gefälscht wirkt. Anzeichen für die Fälschung könnten beispielsweise eine andere Rechtschreibung als um 1500 sein, oder andere Sprache als die um 1500 verwendete. Es muss also genau geschaut werden um „Fake“ von Echt zu unterscheiden.

B) Innere Quellenkritik:

Die Innere Quellenkritik bezieht sich auf den Inhalt der Quelle. Es geht hier also nicht mehr darum zu beweisen ob die Quelle echt ist oder nicht, da die Echtheit schon bestätigt wurde. Die Innere Quellenkritik beschäftigt sich also mit folgenden Fragen:

  1. Wer hat diese Quelle produziert? (Autorenschaft)
  2. Warum wurde diese Quelle produziert? (Motivation)
  3. Für wen wurde die Quelle produziert? (Adressat)
  4. Wann ist die Quelle entstanden? (Zeitlicher Kontext)
  5. Wo ist die Quelle entstanden? (Örtlicher Kontext)
  6. Was sagt die Quelle aus? (Inhaltlicher Kontext)

Wurden alle Fragen der Äußeren und Inneren Quellenkritik an die Quelle gestellt, wird die Quelle ausgewertet. Wenn diese Analyse der Quelle fertig ist, weiß man ob die Quelle echt ist, ob man der Quelle vertrauen kann und welche Motivation hinter der Quelle liegt.

Sehen wir uns die Innere Quellenkritik noch mal genauer anhand eines Zeitungsartikel an. Wir haben also einen hypothetischen Zeitungsartikel der im Jahr 1943 im Der Stürmer erschienen ist und von Julius Streicher verfasst wurde. Der Autor war somit ein Nationalsozialsist, dementsprechend können wir annehmen, dass er nationalsozialsistische Ziele verfolgte. Die Motivation für den Artikel war somit eine parteipolitische: die Verbreitung des parteiinternen Gedankenguts.

Aber nicht nur der Autor war nationalsozialistisch, sondern auch das Blatt Der Stürmer selbst, wurde als nationalsozialistisch eingestuft. Die Adressaten und Adressatinnen der Zeitung waren die gemeine Bevölkerung, was die Annahme bestärkt, dass durch den Artikel und die Zeitung nationalsozialisitisches Gedankengut verbreitet werden sollte. Die Annahme passt auch zum zeitlichen und örtlichen Kontext. 1943 waren die Nazis recht mächtig im deutschsprachigen Raum, in dem der Artikel veröffentlicht wurde. Was die Quelle aussagt, darf man also nur im Zusammenhang mit den anderen Fragen sehen. Das heißt, unsere Quelle und alles was sie aussagt, ist im Kontext des Nationalsozialismus zu sehen.

 

Warum Quellenkritik?

Die Frage, warum man das Ganze als Bürger und Bürgerin überhaupt braucht, drängt sich natürlich auf. Vor allem da Quellenkritik aus einer relativ ganau definierten Wissenschaft kommt. Nicht jeder Bürger und jede Bürgerin sind Geschichtswissenschaftler, warum also sollte diese Herangehensweise für „Nicht-Historiker“ wichtig sein?

Der Punkt an Quellenkritik ist grundsätzlich, dass man einer Quelle nicht blind glaubt sondern überprüft. In Zeiten von „Fake News“ ist dies somit eine wichtige Fähigkeit Quellen zu hinterfragen. Gerade wenn es um die Intention und Motivation des Autors oder der Autorin geht, ist Quellenkritik ein gutes Mittel um Manipulation zu verringern. Denn wenn man ehrlich ist, haben alle Medien eine Intention. Auch wir schreiben Artikel aus einem Grund heraus und wollen damit natürlich etwas erreichen. In unserem Fall wollen wir Bildung verbreiten und haben unsere Werte auch genau definiert, damit unsere Intention kein großes Fragezeichen bleibt. Uns ist Transparenz sehr wichtig.

Aber nicht alle Medien denken wie wir. Andere Medien, zum Beispiel Werbung, sind nur darauf ausgelegt Menschen zu manipulieren. Das Medium Werbung wird nur hergestellt, um Menschen von etwas zu überzeugen. Somit ist Quellenkritik und die Frage „Was will diese Quelle erreichen?“ essenziell, damit man selbst nicht mehr so offen für Manipulation ist. Wenn man weiß, wie es funktioniert, wird man nicht so leicht Opfer von Manipulation. Wenn man Quellenkritik also anwendet, tut man sich selbst etwas Gutes und wird sehen, dass es nicht jedes Medium gleich gut mit einem meint.

 

Gemeinsam sind wir stark: Unterstütze re-think!

Katrin Graßl

Autorin & Sprachwissenschaftlerin, Feministin, Anarchistin, Anti-Kapitalistin, Historikerin & Pädagogin

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