Donnerstagsdemo in Graz: Meine Rede

.Am 29.11.2018 fand die erste Donnerstagsdemo in Graz statt. Die Demo war sehr gut besucht, den Schätzungen zu folge waren zwischen 1500 und 4000 Menschen bei der Demo. Somit war der Auftakt in Graz ein voller Erfolg!

Für mich persönlich war die Demo etwas ganz besonderes, denn ich wurde gebeten dort eine Rede zu halten. Seit ungefähr einem Jahr bin ich als Aktionista* für das Frauenvolksbegehren tätig. Ich engagiere mich dafür, weil es meiner Meinung nach ein Umdenken bei Geschlechterverhätnissen braucht. Natürlich braucht es ein Umdenken in vielen Gebieten, aber irgendwo muss man ja beginnen. Auf jeden Fall, durfte ich bei der Demo als Aktionista* meine erste öffentliche Rede halten.

Erstens fühlte ich mich geehrt, dass ich als einfach Mensch meine Gedanken vor so vielen Menschen teilen durfte. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn die eigenen Stimme gehört wird. Für diese Chance möchte ich allen danken. Für all jene die interessiert was ich zu sagen hatte, habe ich meine Rede auch hier verewigt.

Meine Rede bei der Donnerstagsdemo in Graz:

Wir leben in unsicheren Zeiten. Durch den Kapitalismus ist alles exponentiell gewachsen. Unser Wissen, unsere Lebenserwartung, aber auch unsere Probleme. Als Menschheit mussten wir möglicherweise noch nie komplexere Probleme lösen. Unsere Politik scheint daran aber kein Interesse zu haben. Statt Lösungen zu finden, versucht die Politik uns ihre Doppelmoral als Allheilmittel zu verkaufen.

Scheinheilig wird den einzelnen Bürgern und Bürgerinnen der Klimawandel angekreidet, während Großkonzerne durch den Schutz der Politiker munter weiter unsere Lebensgrundlage zerstören. Gegen Flüchtlinge wird gehetzt und ihre Fluchtursachen werden in Frage gestellt, während unsere Politiker erst die Waffen liefern, die Menschen zum Flüchten zwingen. Sie wollen es leichter machen Familie und Beruf zu vereinbaren, dies machen sie indem die Kinderbetreuungsplätze kürzen. Sie schreiben sich Gewaltprävention auf die Fahnen und streichen trotzdem das Budget dafür. Es wird behauptet, der Staat hätte nicht das Geld, um Bürger und Bürgerinnen zu schützen. Gleichzeitig gibt es aber genügend Geld für Propaganda und Selbstbeweihräucherung. (All das ist Doppelmoral!)

Gerade Gewalt ist ein Thema, das uns alle betrifft. Wir alle kennen die Zahlen. Wir alle wissen, dass vor allem Frauen und Minderheiten von Gewalt betroffen sind. Jede fünfte Frau in Österreich ist von Gewalt betroffen und dreiviertel aller Frauen erleben sexuelle Belästigung. Das tragische an diesen Zahlen ist, dass zwei Drittel dieser Taten von Bekannten und Familienangehörigen ausgeübt werden. Wenn wir Frauen also erzählen, sie wären im öffentlichen Raum nicht sicher, dann lügen wir. Der Private Raum ist die größte Gefahr für Frauen. Lassen wir uns keine Angst vor dem öffentlichen Raum einreden, denn wer Angst vor diesem Raum hat wird ihn meiden und das ist genau was sie wollen. Wir sollen leise sein und uns ins Private zurückziehen. Aber wir werden nicht länger schweigen und wir lassen uns unsere Stimmen nicht mehr nehmen.

Wenn wir der Gewaltprävention die Mittel nehmen, verwehren wir den Opfern die Hilfe, die sie verdient haben. Aber auch den Tätern nehmen wir jede Chance auf Selbstreflexion, Hilfe und Veränderung. Nehmen wir der Gewaltprävention das Geld weg, wird es zwangsläufig zu mehr Gewalt kommen. Deshalb fordert das Frauenvolksbegehren einen Ausbau der Gewaltprävention, weil es uns alle betrifft! Schaffen wir einen Platz, eine Bewegung, in der Gewalt und Dominanz nicht mehr mit Stärke verwechselt werden. In der es kein Zeichen von Schwäche ist Fehler einzugestehen. Denn wir alle haben Fehler gemacht, und es erfordert Stärke diese zuzugeben. Brechen wir den zerstörerischen Kreislauf der Gewalt indem wir uns eingestehen, dass keiner von uns perfekt ist.

Beginnen wir mit damit zu Verzeihen, vor allem uns selbst aber auch den Menschen, die uns wehgetan haben. Hören wir damit auf ständig unsere Differenzen hervorzuheben und lasst uns lieber unsere Gemeinsamkeiten feiern. Sie versuchen uns mit alten Methoden und klassischen Rollenbildern unfrei zu halten. Sie berauben Männer um wertvolle Zeit mit ihren Kindern, und treiben Frauen in die finanzielle Abhängigkeit. Zynisch behaupten sie, man könnte alles schaffen, wenn man nur will. Dabei haben sie jegliche Lebensrealität aus den Augen verloren. Ihr Ziel ist es uns die Stimme zu nehmen und uns weiß zu machen, dass man alleine nichts ändern kann. Aber seht euch um! Wir sind nicht alleine. Wir sind mehr. Und wir können alles verändern!

In der Vorbereitung für den heutigen Tag, hat ein Bekannter mich gefragt wogegen wir den demonstrieren. Mich störte die Formulierung. Denn natürlich sind wir gegen gewisse Vorgehensweisen dieser Regierung. Viel wichtiger wäre aber die Frage wofür wir sind. Es ist einfach gegen etwas zu sein. Es ist viel schwieriger für etwas zu stehen. Aus diesem Grund möchte ich hier für etwas stehen, nämlich FÜR eine bessere Frauen- und Kinderpolitik, für eine bessere Migrationspolitik und für bessere Arbeitsbedingungen! Im Grunde: Für ein gutes Leben für uns ALLE!

Katrin Graßl

Autorin & Sprachwissenschaftlerin, Feministin, Anarchistin, Anti-Kapitalistin, Historikerin & Pädagogin

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